• Stilanalyse-Tools für Texte – was bringen sie?

    Schilder Angeln Verboten und Naturschutzgebiet

    Ob Fische und Vögel diese Texte wohl analysieren?

    Verschiedene Tools im Internet versprechen die kostenlose Stilanalyse von Texten. Sie prüfen Texte auf Verständlichkeit, Nominalstil (die gehäufte Verwendung von Substantiven in einem Satz, gerne von Behörden verwendet), auf Füllwörter wie „auch“ oder „übrigens“, auf Sätze im Passiv, auf Modalverben (können, sollen, müssen), Abkürzungen, Zeichensetzung, Fremdwörter und auf noch so einiges mehr, das diesen Satz jedoch zu lang und unverständlich machen würde (höhö).

    „Tolle Sache, das“, dachte ich und ließ ein paar meiner Texte durch die Stilanalyse laufen. Was dabei herauskam, hat mich umgehauen (<- die Zeitform Perfekt – auch ein Manko. Genau wie das Fremdwort „Manko“ und das Füllwort „auch“).

    Banale Texte?

    „Der Text ist zu banal“, sagte das eine Tool. Das konnte ich nicht auf mir sitzenlassen. Leicht verständlich mochte der Text sein, aber oberflächlich (das bedeutet laut Google das Wort banal)?

    Bedeutung des Worts banal

    Ich ließ den gleichen Text schnell noch von zwei weiteren Programmen analysieren. Tschakka! Das zweite bewertete meinen Text nicht als banal, sondern bezeichnete ihn als „sehr einfach“, das dritte sogar als „gut verständlich“ (ratet mal, welches Tool mir am sympathischsten war). Eine Sache irritierte mich dabei: Tool Nummer eins schätzte den Text zwar als banal ein, kritisierte sechs der Sätze jedoch als zu lang.

    Ung-Wörter

    Die Textanalyse-Programme deckten auch auf, dass ich den Nominalstil verwendet hatte. Alle Wörter, die auf „-ung“ endeten, waren für sie gleichbedeutend damit. Das Dumme ist nur, dass diese -ung-Wörter im textlichen Zusammenhang kein schlecht lesbarer Nominalstil waren. „Die Bedrohung im Kopf“ lässt sich nicht anders ausdrücken und das Wort Hexenverfolgung ruft andere Bilder im Kopf hervor, als der Satz „Menschen verfolgen Hexen“.

    Was den Text füllt (oder aufbläht?)

    Kommen wir zu den Füllwörtern: Davon gab es in meinem Text zu viele. Ich gebe zu, ein paar hätte ich streichen können, ohne den Sinn des Textes zu entstellen. Viele andere nicht (ein „Aber“ ist zum Beispiel nötig, will ich einen Widerspruch aufzeigen oder Trotz ausdrücken). Wiederum andere sorgen dafür, dass sich der Text locker-flockig lesen lässt. Denn was nützt es, Füllwörter zu streichen, wenn der Text ohne sie staubtrocken klingt und es keinen Spaß macht, ihn zu lesen? Bei Wörtern wie „niemals“ lässt sich ohnehin darüber streiten, ob man sie als Füllwort ansieht oder nicht.

    Eines der Programme analysierte den eingegebenen Text zudem auf Phrasen und Floskeln. In diesem Fall hatte ich Glück. Nur eine Phrase fand das Tool: Es kritisierte, dass ich „die meisten“geschrieben hatte. Okay …

    Sind die Texte hinterher besser?

    Jetzt die alles entscheidende Frage: Helfen diese kleinen Textanalyse-Programme dabei, Texte zu verbessern? Bringt es was, Texte durch ein solches Programm laufen zu lassen, bevor man sie anderen Menschen zu lesen gibt?

    Meine Antwort lautet: einerseits, andererseits (<- zwei Füllwörter auf einmal!). Sie zeigen einerseits, in welchen Bereichen der Text verbessert werden könnte. Andererseits machen sie auch auf Probleme aufmerksam, wo keine sind.

    Ich zum Beispiel finde es gut, wenn ein Text leicht verständlich ist. Das ist mir allemal lieber, als dass ihn nur wenige verstehen. Manche Texte müssen sogar in leichter Sprache geschrieben sein – etwa Geschichten aus der Perspektive eines Kindes. Spräche das Kind in langen, wohlformulierten Sätzen, wäre der Text unglaubwürdig. Und gestelzte Dialoge mögen zwar unter Wissenschaftlern vorkommen, die meisten Menschen jedoch reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Genau das sollte sich auch in einem geschriebenen Dialog widerspiegeln.

    Manches, auf das diese Tools aufmerksam machen, ist jedoch durchaus sinnvoll. Bestes Beispiel sind die Füllwörter. Es lohnt sich, den Text noch einmal daraufhin durchzugehen, welche der verwendeten Füllwörter entbehrlich sind und welche nicht. Doch bitte: Nicht alle Füllwörter streichen, weil ein Programm es sagt. Manche erwecken den Text zum Leben!

    Der Kopf, das bessere Werkzeug

    Mein Fazit: Ich sehe die Analysen dieser Tools als Denkanstöße, nicht aber als die einzig glücklich machende Wahrheit. Man kann eine solche Analyse mal durchführen, aber besser nicht während des Schreibens, sondern erst danach. Denn sonst taucht nur allzu rasch die Schere im Kopf (<- Phrase?) auf und unterdrückt alles Individuelle am Schreiben.

    Ich jedenfalls lasse meine Texte nur hin und wieder von solchen Programmen analysieren. Stattdessen greife ich lieber auf das Know-how von Menschen zurück, die meine Texte polieren, aber die Ecken und Kanten stehen lassen.

    Verlinkt

    Ach so. Natürlich sollt ihr wissen, von welchen Tools ich rede. Hier kommen die Links:

    Das Textanalyetool der Wortliga 

    Das Programm vom Schreiblabor

    Bla-Bla-Meter – die Suche nach heißer Luft im Text 

    Füllwort-Terminator und Wortwiederholungsanzeiger vom Lemontree (rechts oben und links unten in der Ecke auf der Website) 

    Das E-Lektorat der letter-factory 

One Responseso far.

  1. Arno E. Corvis sagt:

    Das ist ein Beitrag nach meinem Herzen. Ich hatte eine längere Passage aus einem Roman von mir in Wortliga und Schreiblabor eingegeben und war vom Ergebnis enttäuscht.
    Was als „Phrasen“ und „Füllwörter“ und andere Fehler gebrandmarkt wurde (auch alle Passivformen, lol!), war ein vernichtendes Urteil, weil ich meinen Text hätte völlig verstümmeln müssen, um ihn nach dem Urteil dieser Maschine zu formen.
    Die Textanalyse der FAZ gibt es ja leider nicht mehr. Sie hatte meine Texte teilweise wie Theodor Fontane, Thomas Mann und Friedrich Glauser bewertet.
    Was es jetzt an Textanalyse-Tools gibt, finde ich schlicht erbärmlich.

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