• Das Licht am Ende der Tanne

    Tanne von unten, Licht von oben

    Tanne von unten, Licht von oben

    Schatten, Schatten, Schatten – nichts als Schatten und davon ganz schön viel. Wer sich in die Nähe einer gut zehn Meter hohen Tanne setzt, braucht die Sonne nicht zu fürchten. Das ist besonders für hellhäutige Menschen gut, von denen es in unseren Breiten recht viele gibt. Vermutlich, weil die Sonne hier nicht so häufig scheint.

    Aber wären Tannen dann nicht eigentlich in anderen Klimazonen besser aufgehoben? Um die Menschen und Tiere dort zu schützen, wo die Sonne nur so vom Himmel knallt – und das ständig? Theoretisch wären solche großen Tannen sicher besser am Äquator zu Hause. Das Problem ist nur: Als holarktische Sippe mögen sie das Klima dort nicht. Wenn ihr jetzt fragt: „Als was?“, geht es euch genau wie mir eben, als ich das Wort zum ersten Mal las.

    Deshalb noch einmal: Tannen sind eine holarktische Sippe (ich vermute, dieses Wort spricht man „hol-arktisch“ und nicht „ho-larktisch“ aus, aber ich kann mich irren). Was das bedeutet? Kurz und einfach: Tannen siedeln sich am liebsten in den nördlichen Breiten an. Dumm gelaufen für die Menschen am Äquator (aber die haben ja ihre tropischen Regenwälder – noch).

    Vom Exkurs jetzt jedoch zurück zum Thema: Tannen spenden jede Menge Schatten. Aber – und das ist das Interessante – setzt man sich direkt neben ihren Stamm, fällt von oben immer Licht herab. Trotzdem ist man vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Hält man sich hier länger auf, profitiert man von den positiven Wirkungen der UV-Strahlung, ohne einen Sonnenbrand zu riskieren. Und hat einen wundervollen Ausblick.

    Ich jedenfalls sitze häufiger unter Tannen (kein Wunder, sie stehen ja hier rum). Es hat etwas Beruhigendes. Der Geruch nach Tannennadeln und Harz entspannt und belebt zugleich. Der Blick nach oben ist schon fast Meditation (ein Ast nach rechts, einer nach links, einer in der Mitte … ommm). Hin und wieder kommt zwar mal was runter, schließlich nisten hier Vögel, doch vor stärkerem Regen bin ich herrlich geschützt. Da die zartgrünen Triebe der Tannen essbar sind, brauche ich noch nicht mal weit zu gehen, falls ich Hunger bekomme. Wenn auch der Geschmack der Tannentriebe gewöhnungsbedürftig ist.

    Das Beste jedoch: Das Licht am Ende der Tanne lässt mich immer wieder an den alten Poesiealbumspruch denken: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr …“

    Hatte ich bereits erwähnt, dass ich einen Hang zum Kitsch habe?

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