• Raps mit Spitzenhäubchen

    Nein, das ist kein Baumwollfeld

    Nein, das ist kein Baumwollfeld

    Spinnen sind fleißig. Das wissen alle, die sich über ständig neue Spinnweben in der Wohnung ärgern. Es ist wie verhext: Morgens entfernt man die Gewebe aus allen Ecken, abends sind schon wieder neue Netze da.

    Okay, okay, ich habe mich mittlerweile an Spinnweben gewöhnt. Spinnen müssen schließlich auch von etwas leben. Und dafür brauchen sie nun einmal ihre Netze. Ich habe daher eine gewisse Langmütigkeit gegenüber Spinnweben entwickelt – nicht zuletzt, weil die lieben Spinnen darin auch diese fiesen Mücken fangen.

    Sitzt bei uns also eine Spinne im Netz oder in seiner Nähe, darf es bleiben. Nur wenn es sich in meinen Haaren verfängt oder an einer Stelle befindet, an der ich das Netz nicht brauchen kann – beispielsweise zwischen Kühlschranktür und Wand – muss es weichen.

    (Ähem, ich gestehe: Unsere Spinnensympathie hat schon dazu geführt, dass neulich nachts ein paar Vampire vor der Tür standen, die es bei uns so viel gemütlicher fanden als in ihrem für die Besucher auf Hochglanz getrimmten Schloss. Ich habe ihr Ansinnen, bei uns einzuziehen, jedoch abgelehnt. Wir haben hier schon genug Blutsauger aka Mücken. Außerdem hatte ich keine Lust darauf, ihre Umhänge auch noch waschen zu müssen – die Weben, ihr wisst schon … Doch Entschuldigung, ich schweife ab.)

    Beruhigt hat mich jedoch der Spaziergang gestern Morgen: Spinnweben kann man gar nicht wirkungsvoll bekämpfen, sie sind überall und zwar in rauen Mengen.

    Normalerweise sieht man Spinnennetze ja nicht. Das ist von den Spinnen durchaus gewollt. Insekten und andere Gliederfüßer, die ihre Facettenaugen sonst überall haben, werden von den Weben daher genauso überrascht wie ich, wenn ich durch den Keller gehe. Der Unterschied: Ich konnte mich bislang immer noch losreißen (in einigen Ländern fangen Spinnen sogar kleine Vögel und Reptilien – zu Hilf!).

    Gestern Morgen aber waren die Spinnennetze zu sehen. Der Nebel mit seinen feinen Wassertröpfchen brachte sie an den Tag. Die Rapsfeldern waren plötzlich voller Rapspflanzen, die Spitzenhäubchen aus Spinnenseide trugen. Ein fast unwirklicher Anblick. Und auch ein wenig unheimlich, denn die Pflanzen, wie sie dort in Reih und Glied standen, wirkten wie eine Armee von Gouvernanten und erweckten den Anschein, als wollten sie sich auf uns ungehorsames Pack stürzen. Ich jedenfalls habe den Raps keine Sekunde aus den Augen gelassen. Und schnell ein Beweisfoto gemacht, das Aufschluss über die Täter gegeben hätte, wären wir auf einmal verschwunden. Denn sicher ist sicher …

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