• Dornröschen wohnt nicht mehr hier

    Weg mit dicht bewachsenem Wegesrand und Ranken, die sich um Bäume schlingen

    Bäume, Ranken, dichtes Blattwerk – das war einmal …

    Noch im Frühling und Sommer letzten Jahres hat sich Dornröschen bei uns mehr als wohl gefühlt. An den Wegen rund um den Ort hingen von etlichen Bäumen dicke Ranken herab, Sträucher und Bäume bildeten ein unzugängliches Dickicht. Auch für die Vögel war dieser dichte Wegrandbewuchs ein Paradies. Zwar hielten sie sich gut versteckt, doch ihr lautes Gepiepse und Gekreische war nicht zu überhören, passierte man ihre grünbelaubte Siedlung.

    Das ist nun vorbei. Der Realverband hat dem Wildwuchs die Stirn geboten und aufgeräumt. Wo kommen wir denn auch hin, wenn Bäume und Sträucher wachsen dürfen, wie sie wollen? Wir sind schließlich ein ordentliches Dorf mit ordentlichen Wegen, die für die Landmaschinen befahrbar sein müssen. Und das sind Wege bekanntlich nicht, wenn am Hang zu den Feldern, zwei Meter vom Weg entfernt, Bäume und Sträucher wuchern. Könnte ja sein, dass diese auf den Weg fallen und ihn versperren! Einige der Bäume waren sicher auch schon morsch, sodass das über kurz oder lang bestimmt passiert wäre. Nicht auszudenken, wäre in diesem Augenblick jemand den Weg entlang gegangen! Was hätte da an Schadenersatzforderungen auf den Realverband zukommen können?

    Ranken von Bäumen, auf dem Boden liegend, dazwischen ein Baumstumpf

    Hier liegen sie nun – einige der Ranken, die zuvor von den Bäumen herabhingen.

    Stümpfe abgeholzter Bäume am Wegesrand

    So viele Baumstümpfe …

    Man stelle sich auch vor, ein Baum hätte beim Kippen die Straße überquert und sich auf die gegenüberliegende Böschung geworfen! Dahinter liegt immerhin die Bundesstraße. Wir wollen doch nicht schuld an einer Massenkarambolage sein. Na gut, es stimmt schon: Auf der Böschung direkt an der Bundesstraße stehen auch Bäume. Aber die Gefahr, dass diese auf die Straße kippen, ist gering. Bei den Bäumen auf der anderen Seite – auf der zu den Feldern hin – war sie eindeutig größer.

    Apropos Feld: Die Bäume und Sträucher an den Wegrändern haben auch dafür gesorgt, dass die Landwirte ihre Äcker nicht mehr richtig bewirtschaften konnten. Wie sollten sie denn den einen Meter breiten Randstreifen ihres Feldes mit ihren Landmaschinen befahren und dort Getreide anbauen, wenn dort wild wuchernde Äste hängen? Hinzukommt: Der Bodenqualität schaden die vielen kleinen Zweige, die diese Bäume bei Sturm einfach auf den Boden fallen lassen, ja auch. Den Eggen und Pflügen ebenfalls. Und wer will den Bauern dann die Abnutzung ihrer Maschinen durch die Zweige bezahlen? Sie etwa?

    aufgestapelte, abgeholzte Bäume

    Ein Friedhof für Bäume

    Nein, nein, es war schon richtig, die Bäume und Sträucher abzuholzen. Auf diese Weise haben wir ja auch Platz geschaffen für Neues. Für neue Bäume, neue Sträucher. Wenn die Natur sich nicht von selbst erneuert, müssen wir halt ein wenig nachhelfen. Die Vögel werden schon einen anderen Platz zum Brüten und Verstecken finden. Die sind doch findig. Außerdem konnten die Mitglieder unseres Verbandes ein bisschen zusätzliches Holz gut gebrauchen. Sie wissen doch, wie das ist: Die Holzressourcen der Wälder sind begrenzt. Und Holz kaufen ist teuer. Muss man halt schauen, wo man bleibt.

    Dornröschen jedenfalls hat sich die Argumente des Realverbandes angehört. Und ist gegangen. Irgendwohin, wo man sie in Ruhe lässt. Irgendwohin, wo es noch Ranken und Wildwuchs geben darf. Von Feld-, Wald- und Wegrändern jedoch hält sie sich von nun an fern.

    Post Tagged with ,

8 Responsesso far.

  1. Liebe Simone und liebes Dornröschen,

    zu blöde, wenn die Aufräumer kommen und Ordnung in die Natur bringen können. Ich hätte heulen können als bei uns vor drei Jahren der Bach ausgegraben und daneben eine zwei Meter breite Schneise von „Gestrüpp“ befreit wurde. Ein kleiner Trost: Die Ordnung hat nicht lange angehalten. Schon nach einem Jahr war alles fast wieder beim Alten und inzwischen ist es wieder die reinste Wildnis.

    Liebe Grüße, Nathalie

    • Liebe Nathalie,

      danke fürs Trostspenden! Ich hoffe ja auch auf die Natur und bin vermutlich zu blöd, um solche Aktionen zu verstehen.

      • Birte sagt:

        Nee, liebe Simone, das bist Du nicht. Oder wenn doch, dann bist Du zumindest nicht allein damit, denn ich verstehe es auch nicht. Leute, die so etwas verlangen und veranlassen, lassen bestimmt auch ihre Kinder nicht mehr auf Bäume klettern, weil sie sich ja dreckig machen könnten. Und bevor die Kinder 18 sind und gegen diese Bäume fahren können, ist es ja besser, die frühzeitig abzusägen.
        Diese vollkommen unsinnige Aufräumerei hier in Deutschland macht mich immer ganz wütend!Ich finde, es ist an der Zeit, mal eine öffentliche Diskussion über die Definition der Worte „anständig aussehen“ zu führen.

  2. Gesa sagt:

    Bei uns wurden letztes Jahr auf mehreren Kilometern am Straßenrand die Alleebäume abgeholzt. Daneben liegen Felder. Grund für die Abholzung: In den Bäumen lauern Mäusebussarde, Marder und Katzen, um die in den Feldern nistenden Vögel umzubringen. Ja. Klar.

    • Oh ja, die liegen hier auch auf der Lauer. Ständig und überall. Heute habe ich übrigens eine neue Erklärung gehört. Begegnen sich zwei Mähdrescher, sagt der eine: „Sorry, ich komm hier auf diesen zehn Metern nicht an dir vorbei.“ Sagt der andere: „Holzen wir doch einfach die Bäume an der Böschung ab.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.