• Wie man seine Texte verbessert

    Ich staune immer wieder darüber, dass manche Autoren und Lektoren Geschichten selbst dann analysieren oder gar lektorieren, wenn sie nur zum Vergnügen lesen. Ihnen fallen fehlende Zusammenhänge und Löcher in der Geschichte sofort auf, sie bemerken Unlogisches und langweilen sich bei überflüssigen Szenen.

    Ich hingegen mache einen großen Unterschied zwischen dem beruflichen Lesen und dem Lesen als Freizeitspaß. Lektoriere ich ein Buch oder einen anderen Text, bin ich pingelig bis zum Gehtnichtmehr, lese ich zum Vergnügen, überlese ich manche handwerklichen Patzer einfach. Jedenfalls, wenn mich eine Geschichte fesselt. Auch Vorhersehbarkeiten machen mir dann nichts aus, und über kleinere Plotlöcher lese ich gerne mal hinweg.

    Bitte nicht: Fehler über Fehler

    Aber: Mir klappen sich die Fußnägel hoch, finden sich im Text reihenweise Rechtschreib- und Grammatikfehler. Sammeln sich die bereits auf den ersten Seiten eines Buchs, klappe ich es sofort wieder zu und lege es weg. Genauso geht es mir mit ellenlangen, nichtssagenden Beschreibungen, von denen ich in einem großen Teil der Fälle sehr schnell sagen kann, dass sie für den Verlauf der Geschichte unwichtig sein werden. Und Figuren, die ein Klischee nach dem anderen bedienen, kann ich meistens auch nicht leiden.

    Und nein, das sind nicht nur „typische“ Berufsleserprobleme. Ich kenne viele Menschen, die überhaupt nichts mit dem Textgeschäft zu tun haben und denen es genauso geht. Deshalb mein Tipp: Lasst eure Texte vor der Veröffentlichung von jemandem lesen, der sich mit der Rechtschreibung ein wenig auskennt. Oder lasst wenigstens ein Rechtschreibprogramm über den Text laufen. Das entdeckt zumindest die gröbsten Rechtschreibschnitzer. Meistens jedenfalls.

    Stilanalyse: Ist der Text verständlich?

    Auch automatisierte Stilanalysen helfen dabei, einen Text zu verbessern. Im Schreibprogramm Papyrus zum Beispiel, einer Software für Autoren, sind Rechtschreibprüfung und Stilanalyse integriert; eine kostenlose grobe Stilanalyse bietet z. B. das Tool stilversprechend, das u. a. den Flesch-Wert eines Textes und damit seine Verständlichkeit misst. Denn wer Sätze wie den folgenden drechselt, braucht sich nicht wundern, wenn die Leser nach kurzer Zeit abspringen:

    Die Verfolgung der Flüchtigen durch Gollum hatte das Wiederfinden und die Rückeroberung des Schatzes zum Ziel.

    Daneben prüft die Stilanalyse bei kostenlosen Tools den Text auf besonders lange Wörter, auf Fremdwörter und lange Sätze.

    Testleser sehen mehr

    Plotlöcher und andere Probleme, z. B. Figuren, die unglaubwürdig handeln, deckt auch eine Stilanalyse nicht auf. Hier können aber Testleser helfen. Testleser sucht man übrigens am besten außerhalb von Familie und engerem Freundeskreis (es sei denn, unter diesen findet sich ein professioneller Lektor). Denn Familienmitglieder und Freunde sind meistens zu unkritisch. Sei es, weil sie begeistert sind, dass mal jemand aus ihrem Bekanntenkreis einen längeren Text oder gar ein Buch geschrieben hat, oder sie es mit dem angehenden Autor nicht verderben wollen.

    Wo aber findet man Testleser? Zum Beispiel in einem der vielen Autorenforen im Internet, auf Facebook, auf Twitter oder sogar über Amazon. Doch aufgepasst: Jedem sollte man sein Manuskript nicht in die Hand drücken. Ein wenig Vertrauen muss man zu seinem Testleser schon aufgebaut haben. Vertrauen darauf, dass der Testleser das Manuskript nicht liest, um Auszüge daraus oder gar den ganzen Text zu klauen, und auch Vertrauen darauf, dass er das Manuskript tatsächlich konstruktiv liest und nicht nur meckert um des Meckerns willen.

    Außerdem muss man als Autor bereit sein, mit Kritik umzugehen und sie auch anzunehmen, wenn sie berechtigt ist. Ein Manuskript in die Welt zu entlassen, ist eben nichts für Feiglinge.

    Der Lektor, das unbekannte Wesen

    Hat man das alles hinter sich gebracht, sollte man als Autor trotzdem noch mal über ein Lektorat nachdenken. „Warum?“, fragen jetzt vielleicht manche. „Ich habe doch schon jede Menge für meinen Text getan, wenn ich die ganzen Tipps beachte.“ Ja, das stimmt. Sogar mehr als viele andere, die Geschichten veröffentlichen. Aber: Eine Lektorin oder ein Lektor tut in der Regel mehr für den Text als jedes Rechtschreibprogramm, jede Stilanalyse, jeder Testleser.

    Sie oder er verbessert nicht nur Rechtschreib- und Grammatikfehler und achtet auf den Stil, ein professioneller Leser macht im Gegensatz zu einem Schreibprogramm zudem Verbesserungsvorschläge, stellt Sätze oder gar ganze Absätze um und streicht auch mal rigoros Abschnitte, z. B. wenn sie genau das wiederholen, was der Autor kurz zuvor schon einmal gesagt hat. Lektoren helfen bei Formulierungen, wandeln Passiv in Aktiv um, streichen unnötige Füllwörter und geben Anregungen, wo der Geschichte noch etwas (z. B. Spannung) fehlt. Daneben decken sie Logikfehler und Plotlöcher auf, nehmen die Figurenentwicklung unter die Lupe, zeigen, wo noch Verständnisschwierigkeiten zwischen Autor und Leser auftreten könnten, und geben Tipps, wie die Geschichte runder wird. Das alles macht eine gute Lektorin bzw. ein guter Lektor, ohne dabei zu stark in den persönlichen Stil des Autors einzugreifen. Doch vor zu gravierenden Eingriffen muss ein Autor ohnehin keine Angst haben. Denn eine Lektorin oder ein Lektor gibt immer nur Anregungen. Letztlich entscheidet stets der Autor, ob er sie annimmt oder es lieber sein lässt.

    Eines können jedoch auch Lektoren leider nicht: Garantieren, dass ein Text nach dem Lektorat völlig fehlerfrei ist. Denn auch die beste Lektorin/der beste Lektor übersieht hin und wieder etwas. Wäre das nicht so, wären Lektoren Roboter und keine Menschen.

2 Responsesso far.

  1. Manuela sagt:

    Ein bisschen Berufskrankheit haben wir alle, mich nervt es nur wenn Leute das ständig rauskehren. Deine Unterscheidung beruflich oder privat finde ich sehr gut.
    Meine Krankheit bezieht sich auf die Computer, ich kriege immer Pickel wenn ich sehe wie sorglos die Leute mit ihren Daten umgehen. Schwache Passwörter, keine Datensicherung und das bei beruflicher Nutzung.

    • Jepp, Manuela. Das kann ich mir vorstellen, dass du da Pickel bekommst. Ich finde Backups auch sehr wichtig.

      Um noch mal auf meinen Job einzugehen: Mich stört es nicht, wenn jemand Rechtschreibung und Grammatik missachtet, wenn er für sich selbst schreibt. Das Gleiche gilt auch für soziale Netzwerke etc. Aber bei offizielleren Schreiben und vor allem bei Veröffentlichungen ist für mich ein Text voller Fehler ein No-Go. Dass sich trotzdem immer mal wieder Fehler einschleichen, ist hingegen menschlich.

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