• Ich will kein Officer sein!

    Die wenigsten Offiziere sind so putzig. Leider ...

    Die wenigsten Offiziere sind so putzig. Leider …

    Mit dem Militär hatte ich schon immer meine Probleme. Vielleicht, weil ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der wir Schwerter zu Pflugscharen machen und Frieden ohne Waffen schaffen wollten. Okay, mittlerweile weiß ich, dass unsere Ziele von damals Wunschträume waren. Schließlich sind die weltweiten Rüstungsausgaben dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI zufolge seit 1998 fast jedes Jahr gestiegen. Doch meine Abneigung gegen alles Militärische ist geblieben.

    Vielleicht ist das ja der Grund, warum ich jedes Mal zusammenzucke, wenn ich Sätze höre wie: „Unser CEO ist leider nicht da.“ Einerseits, weil ich solche Abkürzungen hasse (man muss immer erst überlegen, was damit gemeint ist), andererseits, weil CEO die Abkürzung von Chief Executive Officer ist. Auf Deutsch heißt Chief Executive Officer letztlich nichts anderes als Geschäftsführer, doch die englische Bezeichnung klingt natürlich viel cooler. Für mich jedoch klingt sie vor allem: militärisch.

    Zwar weiß ich, dass das englische „Officer“ nicht zwingend Offizier bedeuten muss, sondern einfach Angestellter, Führungskraft, Beamter oder Polizist heißen kann, doch für mich hat dieses Wort einen militärischen Beigeschmack. Ich kann nichts dagegen tun, ich höre automatisch ein zackiges „CEO, ja CEO“ – wie das „Sir, ja, Sir“ in US-amerikanischen Kriegsfilmen –, wenn vom CEO die Rede ist.

    Klar verstehe ich, dass der CEO in international tätigen Unternehmen seine Berechtigung hat. So weiß jeder sofort, wer gemeint ist, und muss nicht erst überlegen (oder – peinlicher – nachschlagen), was denn nun Geschäftsführer, Gérant, Director Ejecutivo oder Zǒngjīnglǐ in der eigenen Landessprache heißt. Doch mittlerweile verwenden sogar kleine Klitschen diesen Begriff. Das klingt dann ungefähr so:

    „Unser CEO isch groad im Imbiss“, sagt mir da z. B. die nette Sekretärin von der Kfz-Werkstatt. Dabei wollte ich nur den Meister fragen, wann der Marderschaden beseitigt ist. Und der Burgerbrater am Drive-In-Fenster eines Franchise-Unternehmens meint: „Ob Sie statt Ketchup Remoulade haben können? Da muss ich erst den CEO fragen.“ Besonders häufig hört man den CEO in der Werbebranche, wo Marken Brands und Texter Copywriter sind. Nur in meinem Kopf will der schneidige Offizier nicht so recht zu chilligen Claims passen. Aber das ist wohl mein Problem.

    Nimmt man es genau, bin auch ich ein CEO. Der CEO meiner eigenen kleinen Firma. Doch sollte mich lieber keiner so bezeichnen. Denn dann könnte es passieren, dass ich erst zum Chief werde, dessen Befehle execute und am Ende den Officer rauslasse.

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2 Responsesso far.

  1. Marcus Vatterott sagt:

    Hallo Simone,

    netter Artikel. Demnach bin ich auch CEO. Wahrschleinlich steht das in unseren Einmann-/frauunternehmen aber ehr für Charwomen/Employee/Operator.

    Da drucke ich mir dann doch lieber einen provokanten Titel auf die Karte wie in diesem Artikel

    http://t3n.de/news/startups-wirtschaft-new-business-order-538711/ im Absatz „In Startups haben verrückte Titel eine Daseinsberechtigung“. Mighty Eagle gefällt mir ganz gut.

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