• Kulinarisches vom Land

    Nein, die Schnecken sind nicht klein, der Pilz ist groß.

    Nein, die Schnecken sind nicht klein, der Pilz ist groß.

    Das Angebot an Restaurants auf dem Land ist eher begrenzt. Okay, in der nächstgelegenen Kleinstadt bekommt man natürlich gutbürgerliche Küche, und man kann chinesisch, griechisch und italienisch essen, aber das war’s dann auch schon. Nicht, dass mich das sonderlich stören würde, so oft, wie ich zum Essen ausgehe. Trotzdem fallen mir immer wieder die Schilder ins Auge, mit denen Gaststätten und Hotels auf ihr Nahrungsangebot hinweisen.

    Ich habe schon so manches Mal überlegt, warum das so ist. Entweder bin ich immer hungrig, wenn ich an diesen Schildern vorbeifahre bzw. -gehe, oder aber es liegt daran, dass ich eh alles lese, was mir in die Hände (oder – wie hier – ins Auge) fällt.

    Jedenfalls entdeckte ich vor Kurzem eine Tafel vor einem Restaurant, die vollmundig (Entschuldigung für das platte Wortspiel) verkündete: „Herbst! Zeit für Pilze, Muscheln und Schnecken.“ Was Muscheln und Pilze mit dem Herbst zu tun haben, verstand ich ja noch. Doch welche Verbindung bestand zwischen dem Herbst und den Schnecken?

    Schnecken gibt es doch (gefühlt) das ganze Jahr über (zumindest in meinem Garten). Als Symbol für den Herbst waren sie mir bislang eher unbekannt. Übrigens auch als Symbol für die kulinarischen Spezialitäten des Herbstes. Ich überlegte daher fieberhaft, wie Herbst und Schnecken wohl zusammenzubringen sind.

    Sind die Schnecken zu dieser Jahreszeit etwa besonders fett, weil sie sich das ganze Jahr über an meinen Gurken- und Kürbispflanzen zu schaffen gemacht haben? Vielleicht aber ist der Herbst auch einfach die beste Zeit fürs Schneckenfangen, weil jetzt mehr Schnecken aus ihren Schneckenschlupflöchern herauskommen. Schließlich ist es allemal angenehmer, auf feuchtem Untergrund herumzuschleimen als auf sonnenerwärmten Straßen zu vertrocknen.

    Des Rätsels Lösung fand sich schließlich schneller als gedacht. Auf einem meiner Streifzüge durchs wilde Weserbergland sah ich sie: Riesenpilze, besetzt und bekaut von schneckigen Raspelzungen. Meine Schlussfolgerung: Die Restaurantbesitzer schlagen zwei Fliegen, äh, Pilze und Schnecken mit einer Klappe. Sie suchen gezielt nach Riesenpilzen. Da diese jedoch meistens schneckige Untermieter haben, machen sie aus der Not eine Tugend. Sie nehmen mit den Pilzen gleichzeitig die Schnecken auf die Speisekarte auf. Und kreieren – voilà – mal eben die neueste Spezialität des Herbstes. Guten Appetit!

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2 Responsesso far.

  1. Katja sagt:

    Interessante Frage… Und weil ich mich ungerne genaueren Betrachtungen hingeben möchte, ob man die Viecher, die sich da auf deinem weißen Riesenpilz tummeln, tatsächlich im Restaurant serviert bekäme (*würg*), habe ich lieber mal nachgeschaut, ob Schnecken als Restaurantspezialität tatsächlich so saisonal sind.

    Eher nicht, denn hier schreibt ein stolzer Produzent von Weinbergschnecken: „Liebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Referendarinnen und Referendare:
    Selbstverständlich bekommen Sie bei uns Lebendschnecken für den Sachkundeunterricht!
    Allerdings nur während der Saison (ca. Mitte Mai bis Oktober); denn spätestens Ende Oktober graben sich die Tiere in den Boden ein, verschließen ihr Häuschen und gehen in ihren wohlverdienten Winterschlaf. Dort bleiben sie so lange, bis es im Frühjahr wieder gleichbleibend warm ist (erfahrungsgemäß ca. Mitte Mai).“
    Demnach wäre der Herbst genau der falsche Zeitpunkt.

    Auf der gleichen Website steht übrigens auch: „Es ist uns besonders wichtig, dass unsere Schnecken (…) sich wohl fühlen.“
    Wie süß. Schnurren die dann, lachen sie lauthals oder lächeln wenigstens?

    Sorry, lauter neue Fragen!

    • Wow, Katja, das sind wirklich interessante Fragen! Aber ich muss dich enttäuschen: Schnecken schnurren nicht, sie lachen auch nicht, denn sie sind stumm. Die einzigen Töne geben sie beim Fressen von sich, wenn sie mit ihrer Zunge herumraspeln (sozusagen das Schmatzen der Schnecken). Aber das Schmatzen ist unter Schnecken kein Affront. Denn: Sie hören ihre Artgenossen nicht. Sie sind taub. Arme, kleine Schneckchen, gelle?

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