• Lesehöhepunkt

    Sehr passend: das Zitat zu Buchbeginn

    Sehr passend: das Zitat zu Buchbeginn

    Gestern habe ich – endlich – wieder ein Buch beendet, nach dem es die nächsten Bücher, die ich lese, schwer haben werden. Warum? Ich fand es so spannend, dass ich es zwischendurch weglegen musste, weil es mir im positiven Sinn zu viel wurde. Es hat mich an vielen Stellen so berührt, dass mir die Tränen kamen, es besitzt Charaktere, die für mich durch ihre Taten und Worte so lebendig wurden, als säßen sie neben mir, und auch seine Sprache hat mich sehr beeindruckt.

    Nenne ich Titel und Autor, werden sicher viele den Kopf schütteln, ungläubig schauen und fragen: „Das meinst du doch nicht ernst, oder?“

    Doch, ich meine es ernst. Ich weiß bereits jetzt, dass Joe Hills „NOS4A2“ zu den Höhepunkten meines Lesejahres 2013 gehört, ich kann mir sogar gut vorstellen, dass es mein Buch des Jahres wird.

    Ja, es ist ein Horrorroman. Ja, es geht um den Kampf gegen das Böse. Und ja, ich lese gerne unheimliche Geschichten. Aber: Es ist kein Buch, das nur von Effekten lebt. Ganz im Gegenteil. Die Charaktere, auch die Bösen, sind fein gezeichnet. So fein, dass ich als Leserin selbst bei den Schurken streckenweise nachvollziehen konnte, warum sie handeln, wie sie handeln. Genau das war übrigens das Schrecklichste an der Geschichte. Schlimmer als die Szenen, die mich von vornherein schlucken ließen.

    Die Heldin des Buchs, Vic McQueen, hat ebenfalls zwei Gesichter. So verletzt sie die Menschen, die sie lieben, und wendet sich zumindest zeitweilig von ihnen ab. Das macht sie nicht nur sympathisch. Doch stets sind ihre Beweggründe klar, und ich konnte immer mit ihr mitfühlen und -fiebern.

    Wie alle guten Autoren lässt Hill seine Leser eigene Schlüsse ziehen, statt jede Handlung im Detail zu schildern. So beobachtet Vic als kleines Mädchen ihren Vater, wie er seine Hände unter kaltem Wasser wäscht. Gleich darauf entdeckt sie ihre Mutter, die sich einen feuchten Waschlappen an den Mund hält. Wir alle wissen, was dort passiert ist, Vic jedoch, die noch ein Kind ist, erahnt es vielleicht, spricht jedoch weder ihren Vater noch ihre Mutter darauf an. Vielleicht, weil sie es gar nicht genau wissen will.

    In den temporeichen Szenen im Showdown hingegen geizt Hill nicht mit Details, sondern beschreibt das Geschehen minutiös – zum Teil schon quälend genau (und mit quälend meine ich nicht, dass es mir zu viel wurde, sondern dass Hill seinen Lesern keine Zeit zum Durchatmen lässt).

    Richtig gut gefallen haben mir auch die Anspielungen auf andere Werke der sogenannten Populärliteratur. Da taucht auf einer Landkarte in der Nähe von Derry, Maine der „Pennywise Circus“ auf (King-Fans wissen sofort Bescheid), und der Sohn von Vic McQueen heißt mit Sicherheit auch nicht grundlos Bruce Wayne Carmody (für alle, die es nicht wissen: Bruce Wayne ist der Klarname von Batman, dem Superhelden im Fledermauskostüm).

    Lieber Joe Hill, auf die Gefahr hin, dass Sie es nicht (mehr) hören können oder wollen (schließlich haben Sie nicht umsonst das Pseudonym „Joe Hill“ gewählt): „NOS4A2“ gehört für mich in eine Reihe mit den besten Büchern Ihres Vaters (für mich „Es“, „The Stand“, „11.22.63“). Wenn Sie das Niveau dieses Buches halten, habe ich keine Angst mehr davor, dass Stephen King irgendwann einmal aufhören könnte zu schreiben. Ich freue mich schon auf Ihr nächstes Buch. Sehr.

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