• Patchworkstraßen

    Land- und Kreisstraße, die aufeinander stoßen. Die eine ist neu, die andere zusammengeflickt

    Big is beautiful – Patchwork in groß.

    In unserem Ort hat vor kurzem ein Laden eröffnet. Das ist eine Sensation, haben doch in den letzten 15 Jahren nicht nur der Markt für landwirtschaftlichen Bedarf, sondern auch die Post- und die Bankfiliale ihre Türen geschlossen. Der Geldautomat wurde ebenfalls wieder abgebaut. Kurz nachdem für ihn ein Anbau hochgezogen und er in Betrieb genommen worden war. „Lohnt sich nicht“, so das Argument der Bank.

    Was waren die Dorfbewohner froh, als einige Zeit später einer der heimischen Landwirte einen Bioladen eröffnete. Dieser Bioladen war über mehrere Jahre das einzige Geschäft im Ort, das man betreten und in dem man Waren kaufen konnte.

    Und nun hat ein weiterer Laden aufgemacht (in der ehemaligen Bankfiliale übrigens). Es handelt sich um einen Patchworkladen, der ausgefallene, schöne Stoffe, Wolle, Nähzubehör sowie Bücher im Angebot hat, und dessen Besitzerin im Kundenauftrag alles Mögliche anfertigt: angefangen bei Topflappen über Taschen bis hin zu Dekorationsgegenständen. Eine mutige Geschäftsidee, der ich viel Erfolg wünsche!

    Mit der Eröffnung dieses Ladens hat der Begriff Patchwork für mich endlich wieder seine ursprüngliche Bedeutung zurückgewonnen: die der Textilkunst aus verschiedenen Stoffen oder Stoffresten. Zuvor habe ich bei Patchwork an ganz andere Dinge gedacht. An Fußballschuhe und Landmaschinen zum Beispiel.

    Patchwork, das heißt auf Deutsch ja nichts anderes als Flickwerk. Und geflickt wird auf dem Dorf vieles. So habe ich mal einen Fußballschuh, dessen Sohle sich während eines Punktspiels urplötzlich vom Rest des Schuhs löste, mit einem Strohband „zusammengeflickt“. Okay, sehr haltbar war das Ganze nicht. Doch für’s Spiel hat’s gereicht (für den Sieg leider nicht).

    Landmaschinen werden hier ebenfalls sehr oft geflickt – vor allem, wenn sie schon älter und Ersatzteile schwer zu bekommen sind. Dann behilft man sich eben mit einer Notlösung. Bis der TÜV Eigentümer und Maschine trennt.

    Auch Straßen erhalten bei uns Flicken. Was normalerweise nicht auffällt. Es sei denn, zwei Straßenabschnitte treffen aufeinander, für deren Unterhaltung auf der einen Seite das Land, auf der anderen der Kreis oder die Gemeinde zuständig ist. Während der eine Abschnitt komplett runderneuert wurde, ist der andere, nun ja, geflickt. Als hätte ein Riese sein Kaugummi ausgespuckt und auf die Risse in der Fahrbahn geklebt.

    Bislang habe ich solche Straßen immer Patchworkstraßen genannt. Doch das lasse ich nun. Schließlich weiß ich jetzt, wie hübsch und gar nicht flickwerkartig Patchwork aussehen kann. Straßen einmal ausgenommen.

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