• Vom Postkutschenbegleitreiter zum Autor

    Mit Pferd, aber ohne Kutsche

    Mit Pferd, aber ohne Kutsche

    Ich lese gern Lebensläufe von Autoren. Ja, ich gebe es zu: Ich bin neugierig und möchte wissen, was das für eine Person ist, die hinter dem Roman steckt, den ich gerade lese. Woher ihre Ideen stammen, was sie antreibt, vor allem aber, was sie gemacht hat, bevor sie zum Bücherschreiben gekommen ist.

    Häufig liest man da so Sachen wie: „Ich schrieb bereits als Vierjähriger Sätze, die meine Eltern in helles Entzücken versetzten. In der Schule schwärmten Lehrer und Mitschüler gleichermaßen von meinen Aufsätzen, und mit 13 verfasste ich meinen ersten Pferderoman. Danach studierte ich Germanistik und Literaturwissenschaften und blablablabla …“

    Nichts gegen einzuwenden, wenn es denn wirklich so war. Aus meiner Schulzeit kenne ich jedoch fast nur Menschen, die das Schreiben von Aufsätzen gehasst haben, weil dafür immer viel zu viel Zeit draufging. Zeit, die man für die weitaus interessanteren Gespräche darüber nutzen konnte, ob die heruntergerutschte linke Socke des süßen Jungen aus der Parallelklasse vielleicht ein Zeichen sei. Ich vermute daher, dass es vielen Autoren im Nachgang nur so erscheint, als hätten sie immer schon gern geschrieben. Vielleicht weil sie es jetzt gern tun oder weil man das als Autor eben so sagt. Doch ich kann mich auch irren. Aus meinem Abschlussjahrgang hat es schließlich niemand zum Bestsellerautor gebracht.

    In letzter Zeit findet man außerdem vermehrt Lebensläufe, die darauf hindeuten, dass man es eher mit einem Chamäleon als mit einem Autor zu tun hat. Jedenfalls wenn man sich die zuvor ausgeübten Berufe ansieht. Ich meine von Autoren gelesen zu haben, die vor der Veröffentlichung ihres Buches als Mönch, Tellerwäscher, Animateur, Tannenbaumverkäufer, Aushilfsweihnachtsmann, Dogwalker (nein, nicht Daywalker, das war was anderes) und Postkutschenbegleitreiter tätig waren. Irgendwann fühlten sie sich berufen, ihr Buch zu schreiben, schließen jedoch nicht aus, später – bei Erfolglosigkeit? – wieder was ganz anderes zu machen. Man muss ja flexibel sein. In der heutigen Zeit. Wegen der Globalisierung und so.

    Mittlerweile denke auch ich darüber nach, wie ich meinen Lebenslauf aufpeppen könnte. Vielleicht sollte ich einfach die Tätigkeiten aufführen, mit denen ich mich während meines Studiums über Wasser gehalten habe? Schließlich habe ich schon in Gaststätten geputzt, mir beim Kellnern auf Volksfesten an den A… grapschen lassen (ja, ich habe mich gewehrt) und im Supermarkt das Klopapierreiseset in der – für den Fall eines Falles, höhö – wasserdichten Kunststoffhülle angepriesen (im Vertrauen: Ich habe davon ungefähr drei Stück verkauft). Der Anfang meiner Vita könnte dann lauten: Nach der Arbeit als Kneipenreinigerin, Volksfestkellnerin und Klopapierumpuschelungsanpreiserin …

    Ach nö. Ich glaube, ich lasse das doch lieber.

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