• Warum Lebensgeschichten selten einen Verlag finden

    Jeder Mensch hat etwas zu erzählen. Und viele Menschen meinen, dass ihre Lebensgeschichte so interessant, witzig, spannend, berührend, atemberaubend (Aufzählung kann endlos fortgesetzt werden) ist, dass man doch mal ein Buch darüber machen könnte.

    Natürlich kann jeder, der Lust hat, ein Buch über sein Leben, bestimmte Lebensabschnitte oder Erfahrungen schreiben. Doch er sollte nicht erwarten, dass ein Verlag sein Manuskript veröffentlicht.

    Die Wahrheit ist: Die Verlage werden mit Lebensgeschichten und Erfahrungsberichten regelrecht zugeschmissen. Doch nur die wenigsten dieser Geschichten sind so interessant, dass ein Verlag mit der Veröffentlichung Geld verdienen kann. Denn das sollte man nie vergessen: Verlage sind keine Wohlfahrtsinstitute, sondern gewinnorientierte Unternehmen. Sie verlegen nur Bücher, von denen sie erwarten, dass sie sich oft genug verkaufen, um in die Gewinnzone zu kommen. Längst nicht alle Bücher schaffen das, deshalb „fahren“ die Verlage eine Mischkalkulation: Auf jeden Bestseller, der Gewinn einbringt, kommen soundsoviele Bücher, bei denen der Verlag nur einen minimalen, manchmal auch keinen Gewinn erzielt.

    Aber zurück zu Lebensgeschichte und Erfahrungsbericht. Ein solches Manuskript wird nur dann verlegt, wenn es um etwas ganz Besonderes, für ausreichend viele Leser Interessantes geht.

    Grob gesprochen: Spannt Tantchen Lisbeth auf der Hochzeit von Großkusine Wilhelma ihrer Schwester den Mann aus, interessiert das vielleicht Lisbeth, ihre Schwester und noch ein paar Leute, aber sonst niemanden. Heißt Lisbeths Schwester allerdings Angela Merkel und Lisbeth plaudert in ihrem Buch über deren Liebesleben, sieht die Sache natürlich schon anders aus. Nach einem solchen Manuskript würden sich vermutlich die meisten Verleger die Finger lecken (ähem … oder auch nicht).

    Das alles bedeutet jedoch nicht, dass man seine Lebenserinnerungen nicht niederschreiben sollte. Allerdings sollte man sich darüber klar werden, warum man das machen will. Wer das Gefühl hat, „das muss einfach raus“, oder wer seinen Nachkommen gerne seine Lebenserinnerungen hinterlassen möchte, für den kann das Schreiben eines Buches erfüllend sein. Wer es jedoch aus reiner Eitelkeit machen will, um zu protzen, er habe auch schon ein Buch geschrieben, sollte es besser lassen.

    Alle, die sich nicht abschrecken lassen und ihr Buch auch ohne Verlag schreiben wollen, können es als E-Book herausgeben. Oder für Freunde und Verwandte einige Exemplare günstig in einer Digitaldruckerei drucken lassen. Doch Vorsicht: Bitte fallen Sie nicht auf die Versprechungen sogenannter Druckkostenzuschussverlage herein (oft an dem Spruch „Autoren gesucht“ erkennbar). Die verlegen zwar wirklich alles, lassen sich ihre Bemühungen aber teuer bezahlen.

5 Responsesso far.

  1. @ Jens: Stimmt, der Carlsen Verlag ist sicher über den Verdacht erhaben, dass Autoren etwas zahlen müssen, um zu veröffentlichen. Doch ich denke auch nicht, dass ich pauschal geurteilt habe, steht doch das Wörtchen „oft“ und nicht das Wort „immer“ zwischen den Klammern ;-).
    Privatverlag. Hm, das Wort habe ich so noch nicht gehört. Das würde ja bedeuten, dass größere Verlage keine Privatverlage sind.

    Nachtrag: Da Jens auch einen Link gesetzt hat (ein Schelm, wer Werbung dabei denkt), hier zwei weitere von mir: ein netter Artikel aus dem Spiegel und ein anderer vom Autorenforum Montsegur.

  2. Jens sagt:

    Das man sich vor dem Schreiben bewusst werden sollte, mit welcher Motivation man dies tut, ist denke ich Grundlage. Ohne eine wirkliche Motivation wird so ein Buch auch niemals fertig werden. Bezüglich der Zuschussverlage muss ich ihre Aussage allerdings kritisieren, denn es ist schlichtweg falsch diese Aussage derart zu pauschalisieren. Der Carlsen Verlag sucht zum einen grade Autoren für zwei seiner neuen Labels und ist noch lange kein Zuschussverlag. Zum anderen gibt es auch solche und solche Verlage. Der richtige Begriff wäre auch „Privatverlag“. Seriöse Privat Verlage weisen auch vorher auf alle entstehenden Kosten hin (http://www.frieling.de/autor-werden/risikobeteiligung). Sprich man schickt sein Manuskript ein, es wird ausgewertet und anschließend bekommt man ein Angebot. Allerdings sollte man hier vorsichtig sein wenn man nur Honig ums Mauls geschmiert bekommt und der Lektor hellauf begeistert ist von der Lektüre. Denn ein seriöser Privatverlag nimmt auch keine schlechten Bücher an.

  3. Jens sagt:

    Entschuldigen sie, dass ich ihnen erst jetzt auf ihren durchaus gerechtfertigten Einwand antworte. Letztlich ist Privatverlag ein wie ich finde angenehmer Ausdruck, da Zuschussverlag durchweg negativ klingt (was auch ohne jeden Zweifel oftmals gerechtfertigt ist).
    Da Sie sich nun die Mühe gemacht haben die Links heraus zusuchen wäre es ja eine Schande dazu keine Stellung zu beziehen 😉

    Zum Spiegel-Artikel, indem es sogar interessanterweise um Frieling geht, lässt sich nun das ablesen was ich bereits sagte. Ein seriöser Verlag nimmt nicht jedes Buch an, erst recht kein solches. Ob die zuerst positive Rückmeldung wirklich so passiert ist oder vom Verfasser des Artikels noch ein wenig zu seinen Gunsten bearbeitet wurde kann ich nicht sagen.

    Zur Liste im Montsegur-Forum; Diese war mir bereits bekannt, entspricht jedoch einfach schlicht den Tatsachen, dass der Frieling Verlag eine Beteiligung des Autors verlangt. Somit ist der Eintrag dort völlig gerechtfertigt, wenn er auch eher negativ wirkt.

  4. Inzwischen gibt es für „Lebensgeschichten-Schreiber/innen“ auch die Möglichkeit, diese bei Amazon create space kostenlos selbst als gedrucktes Buch herstellen zu lassen. Die Qualität ist ansprechend, die Bücher bekommen von Amazon sogar eine ISBN Nummer und sind erhältlich. Okay, wenn man Amazon natürlich umgehen will …

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