• Wie man besser kein Exposé schreibt

    Ein Romanexposé zu schreiben ist verdammt schwierig. Kurz und knackig soll es sein, der dominierende Konflikt des Buches muss deutlich werden, und die Charaktere sollen zum Leser „sprechen“. Tja. Dann steht man als Autor da und soll seinen mehrere Hundert Seiten langen Roman auf ein paar Seiten zusammendampfen und das alles beachten. Da geraten die meisten Autoren ganz schön ins Schwitzen – ich jedenfalls schon.

    Doch was ist ein Exposé eigentlich für ein Text? Eine reine Abfolge der Handlung – so eine Art Bericht, wie man ihn bereits aus der Schulzeit kennt –, ein Werbetext fürs Buch („Dieser Roman ist vergleichbar mit dem Bestseller von …“) oder vielleicht etwas ganz anderes? Ich denke, es ist ein Mittelding.

    Ein Exposé, wie es Verlage oder Agenturen verlangen, soll – das ist zumindest meine Meinung – in erster Linie Lust aufs Lesen des kompletten Manuskripts machen und natürlich die Geschichte in wenigen Worten umreißen. Und zwar so, dass die wichtigsten Stationen genannt werden. Es soll aber auch den Stil des Romans widerspiegeln. Das bedeutet, das Exposé bei einem humorvollen Roman nicht zu ernst geraten zu lassen, sondern die Leichtigkeit des Originals auch in den Kurztext rüberzubringen. Beim Krimi oder Thriller hingegen sollte auch im Exposé Spannung spürbar sein. Aber wie macht man so etwas?

    Ein Patentrezept gibt es dafür nicht, das glaube ich wenigstens. Was der eine Agent mag, kann der andere Lektor blöd finden. Aus meiner Erfahrung kann ich zumindest sagen, wie man es besser nicht macht. Das Exposé schreiben, meine ich. Hier meine Tipps dazu:

    1. Vorab eine maximale Seitenzahl fürs eigene Exposé festlegen und sich beim Schreiben sklavisch dran halten, obwohl der Stoff des Romans es eigentlich erfordert, noch eine Seite dranzuhängen. Klar, ein Exposé sollte möglichst kurz sein, aber ein Agent/Lektor wird ein gutes Exposé nicht nach zwei Seiten weglegen und sagen: „So ein Mist! Diesen Roman können wir nicht annehmen/veröffentlichen. Das Exposé war eine halbe Seite zu lang.“

    Mein Rat: Die erste Fassung des Exposés so lang schreiben, wie sie eben wird, und erst danach den Text eindampfen, ohne dass der Sprachstil verloren geht oder die Handlung Löcher aufweist. Einen Text kürzen geht immer leichter, als ihn zu längen! Wer es allein nicht schafft, sollte sich dabei Hilfe suchen, denn obwohl ich oben gesagt habe, dass die Verlage oder Agenturen ein gutes Exposé sicher nicht in die Ecke werfen: Es macht gerade bei Anfängern einen besseren Eindruck, wenn sie sich an die Vorgaben halten.

    2. Sich auf die reine Handlung beschränken und die Motive der Hauptfigur(en) zu kurz kommen lassen. Die reine Handlung klingt nämlich allzu leicht nur nach aneinandergereihten Ereignissen. Die Atmosphäre geht verloren. Der Leser könnte den Eindruck bekommen: „Wenn der das Exposé schon so langweilig schreibt, wie öde mag dann erst der Text sein?“ Schlimmstenfalls wirft der Agent/Lektor danach keinen Blick mehr in die ebenfalls beigelegte Leseprobe.

    3. Die Eigenschaften der Hauptfiguren zu wenig heraustreten lassen. Stattdessen: Mit einem Beispiel ein besonderes Merkmal einer Figur charakterisieren. Eine Figur, die sehr unauffällig ist, könnte man z. B. folgendermaßen beschreiben: „Betrat sie einen Raum, bemerkte es höchstens die Topfpflanze. Doch selbst die wendete sich nach einiger Zeit gelangweilt ab.“

    4. Sich zu viele Beispielexposés vor dem Schreiben des eigenen anschauen. Es gibt so viele mögliche Arten, ein gutes Exposé zu verfassen. Jeder Autor muss eine eigene finden, so wie er in der Regel auch seinen eigenen Schreibstil hat. Wichtig ist nur, dass die Handlung in groben Zügen dargestellt wird, die Atmosphäre des eigenen Buches rüberkommt und das Exposé keine Handlungslöcher oder Logikfehler aufweist (die sind dann nämlich oft auch im Buch zu finden). Und das ist schon schwierig genug.

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  1. […] der Handlung dürfen in der Kurzfassung jedoch auch die Figuren nicht zu kurz kommen, wie Autorin und Redakteurin Simone Harland betont. So sollten die wichtigsten Figuren vorgestellt und ihre Motivation innerhalb der Zusammenfassung […]

  2. […] der Handlung dürfen in der Kurzfassung jedoch auch die Figuren nicht zu kurz kommen, wie Autorin und Redakteurin Simone Harland betont. So sollten die wichtigsten Figuren vorgestellt und ihre Motivation innerhalb der Zusammenfassung […]

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