• Die Gefahren des Landlebens

    Achtung, Gefahr!

    Achtung, Gefahr!

    Straßenverkehr, zwielichtige Gestalten, verrufene Viertel sind nur einige der Gefahren, die in größeren Städten lauern. Auf dem Land haben wir nur wenig Verkehr (es sei denn, eine Bundesstraße führt durch den Ort), zwielichtige Gestalten werden sofort von der Nachbarschaft ausgemacht, und verrufen sind – nicht zuletzt in Ermangelung von Vierteln – allenfalls die Bushäuschen, in denen sich die Dorfjugend trifft.

    Trotzdem kann das Leben auf dem Land gefährlich sein. Und das Schlimme: Die Gefahr lässt sich noch nicht einmal erahnen. Mich jedenfalls haben diese unsichtbaren Gefahren in den letzten zehn Tagen ganz schön umgehauen. Aber am besten, ich fange von vorn an.

    Vor gut zwei bis drei Wochen zog ich mir eine winzigkleine Wunde unter dem Daumennagel zu, eine Wunde, die ich nicht weiter beachtete. Was stört schon den Mond, wenn ihn ein Hund anheult? Okay, hin und wieder dachte ich: „Wann geht dieses Zwicken unterm Fingernagel endlich weg?“ Doch größere Bedeutung maß ich dem Ganzen nicht bei, sondern machte weiter wie bisher. Erledigte meine Arbeit, wühlte ohne Gartenhandschuhe im Dreck, füllte die Biotonne mit Gartenabfällen – tat eben alles, was man auf dem Land tagtäglich macht.

    Doch von einem Tag auf den anderen war plötzlich alles anders: Mein Daumen begann, heftiger zu schmerzen. Zunächst versuchte ich, dem Schmerz mit Desinfektionsmittel und Pflaster zu Leibe zu rücken. Ich wienerte und wusch meine Hände, bis sie fast fettfrei waren, suchte nach einem Fremdkörper unterm Nagel, prockelte an der Fingerkuppe herum (für alle Nicht-Norddeutschen: herumprockeln = an etwas herumfingern, in etwas herumstochern). Nachdem eines Morgens der verletzte Daumen dicker schien als der andere, ging ich dann mal zum Arzt. Doch auch die verordnete Salbe und Kamillebäder halfen nicht. Der Daumen wurde praller und praller. Das Ende vom Lied: In der Fingerkuppe bildete sich ein fieser Abszess, der eröffnet werden musste.

    Jetzt jedenfalls kenne ich die unsichtbaren Gefahren des Landlebens. Sie lauern in der Erde, in Pfützen, im Kompost – naja, eigentlich überall. Wo ich sie mir eingefangen habe, weiß ich bis heute nicht, ich weiß auch nicht, was für fiese Keime die Infektion hervorgerufen haben, ich weiß nur, dass ich von nun an besser aufpassen werde. Mit kleinen Wunden und Dreck. Denn solche Erreger brauchen sich nicht in finsteren Gassen oder verrufenen Vierteln verstecken. Sie sind so klein, dass wir sie noch nicht mal sehen würden, tanzten sie in Massen vor unserer Nase Cha-Cha-Cha. Und ganz ehrlich? Auf den Anblick von Letzterem kann ich auch gut verzichten. Genauso, wie ich auf die andere Begegnung mit ihnen gut hätte verzichten können.

    Also gebt gut acht, wenn ihr zu uns aufs Land kommt. Und „machtʼs mit“: in der Erde wühlen nur mit Gartenhandschuhen. Jedenfalls dann, wenn ihr Wunden an den Händen habt.

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