• E-Book kontra gedrucktes Buch – und wer hat die Nase vorn?

    In meinem Lieblingsnetzwerk Texttreff haben wir seit einigen Jahren zu Weihnachten (und danach) eine Tradition: das Blogwichteln. Was das ist? Bloggerinnen bewichteln sich untereinander mit einem Beitrag, der zum jeweiligen Blog passt.

    Ich freue mich, denn dieses Jahr hat das Los für mein Blog Birte Mirbach getroffen, ihres Zeichens Diplom-Übersetzerin für Englisch, Niederländisch und Spanisch, die in ihrer Werkstatt ebenfalls bloggt. Wie die Überschrift bereits sagt, hat sie sich mit E-Books und Papierbüchern auseinander gesetzt. Viel Spaß beim Lesen!

    Was wohl passiert, wenn ich dieses Buch anschließe?

    Was wohl passiert, wenn ich dieses Buch anschließe? © Birte Mirbach

    Irgendwann im Leben eines Autors kommt unweigerlich die Frage: Soll ich meine Bücher auch in elektronischer Form anbieten? Muss das wirklich sein? Gedruckte Bücher sind doch so was Tolles, allein schon das Papierrascheln. Hach, welch lieblicher Klang in meinen Ohren, da kommt so ein elektronisches Dingsda doch gar nicht heran. Nur gibt es heutzutage immer mehr Menschen, die lieber elektronisch lesen, und nicht nur Bücher, sondern manche sogar Zeitungen. Habe ich da was verpasst? Sind die elektronischen Medien wirklich so viel vorteilhafter? Schauen wir doch mal.

    Ein Buch raschelt nicht nur so angenehm beim Umblättern, dieses glatte Papier zwischen den Fingern ist auch ein haptischer Genuss. Manche Bücher haben einen geriffelten Einband oder Reliefschrift, über die man immer wieder mit den Fingern streichen möchte. Wenn ein E-Book das hätte, wäre der Reader kaputt.

    Man kann beim E-Book-Reader die Schrift vergrößern – beim gedruckten Buch muss man sich vorher entscheiden, ob man es in Großdruck haben will, wobei die Auswahl an Büchern in großer Schrift eher begrenzt ist. Bei bestimmten Zeitungen würde ich die Schrift allerdings lieber verkleinern. Und die Farbe verblassen lassen. Und den Text eigentlich lieber ganz löschen. Ach so, es geht hier ja um Bücher.

    Beim gedruckten Buch sieht man direkt, wie dick der Rest ist, den man noch nicht gelesen hat – bei E-Books sieht man zwar die Seitenzahl, aber der konkrete visuelle Eindruck fehlt, es ist und bleibt eine abstrakte Zahl.

    Langweilige Passagen überspringen kann ich bei beiden, da geben sich die beiden Medien nichts.

    Das gedruckte Buch hat keine eigene Beleuchtung. Beim E-Book hingegen ist sie im Reader integriert; wenn einem das Teil herunterfällt, ist es mit einer neuen Glühbirne aber meist nicht getan.

    Bei Regen kann man sich beides als Schutz über den Kopf halten – nur verträgt ein Buch das sicherlich besser als ein E-Book-Reader. Besonders geeignet sind übrigens großformatige Bildbände, wobei das Armmuskeltraining gleich mit integriert ist.

    Man kann in E-Books keinen Fisch einwickeln. Und bei Büchern will ich das nicht. Also wieder unentschieden.

    Bei Büchern brauche ich etwas als Lesezeichen, z. B. so ein wunderschönes mit Troddel und Kalligraphie und tollen Sinnsprüchen drauf, das ein wohlmeinender Mensch mir verehrt hat. Oder so ein Knuddelschaf, dessen Körper aus einem langen Band besteht, damit es die Seiten nicht so aufbiegt. Beim E-Book dagegen Pustekuchen, das hat keine Seiten, zwischen die man das Lesezeichen klemmen kann. Wenn das Lesegerät denn wenigstens ein hübsches Bildchen an der Stelle einblenden würde, wo ich zu lesen aufgehört hatte.

    Bei E-Books muss ich immer nach dem richtigen Format schauen; das Kindle kann sich da z. B. ziemlich bockig anstellen. Bei gedruckten Büchern ist das egal, da interessiert das Format nur, wenn ich es brauche, um einen wackelnden Tisch wieder ins Lot zu bringen.

    Abdrücke von Fettfingern an Büchern sind doof; bei E-Books kann ich sie abwischen. Wenn ich das nicht tue, haben gleich alle meine E-Books Fettflecken. Auf allen Seiten. Wenn ich stattdessen Rotwein darüberkippe, ist nur ein gedrucktes Buch verdorben. Blöd, aber selbst schuld. Wenn ich den Wein dagegen übers E-Book kippe, ist das ganze Gerät hin und auch die anderen gespeicherten Bücher. Immerhin kann ich den Reader hinterher noch als kleines Tablett oder Untersetzer benutzen; das Papierbuch kann ich dagegen noch verwenden, um Omas wertvolles Porzellan beim Umzug zu schützen, dafür ist uns die hohe Literatur gerade gut genug.

    Trägermedien lenken oft ab. Die meisten der üblichen elektronischen Lesegeräte wie etwa Reader, Laptop und Smartphone sind internetfähig. Man kann also ständig im Internet herumdaddeln und E-Mails schreiben oder Selfies machen, das kann einem beim Papierbuch nicht passieren. Da lenkt einen nur der Proll gegenüber in der Straßenbahn vom Lesen ab.

    Unterschiedliches Gewicht; Bücher können ganz schön schwer sein; Reader hingegen sind Leichtgewichte, die man bei Sturm gut festhalten sollte. Dumm ist nur, wenn man an E-Books gewöhnt ist und, weil man mal wieder vergessen hat, den Akku rechtzeitig aufzuladen, ausnahmsweise zum gedruckten Buch greifen muss. Das ungewohnte Gewicht sorgt schnell für eine Sehnenscheidenentzündung oder zumindest Muskelkater in den Armen.

    Ein Buch kann man am Strand unbeobachtet liegen lassen, wenn man ins Wasser hüpft. Falls es einer klaut, bevor man den Mörder kennt oder das Happy End genossen hat, ist das zwar ärgerlich, aber kein so großer Verlust. Es ist ja nur das eine Buch. Einen E-Book-Reader hingegen sollte man lieber nicht unbeaufsichtigt lassen, der verschwindet schneller, als man „Buchhandlung“ sagen kann, und man ist auf einen Schlag die gesamte Urlaubslektüre los. Und auch die Lektüre, die man erst zu Hause lesen wollte. Und die, die man schon gelesen hat und vielleicht später noch mal lesen wollte (Mann, wenn ich bedenke, dass man früher einen LKW gebraucht hätte, um eine ganze Bibliothek zu klauen, und jetzt braucht man nur eine Handtasche dafür). Aber immerhin kann man sein Fluggepäck durch E-Books entlasten.

    Und Sieger ist … ja, wer eigentlich? Irgendwie haben doch beide etwas zu bieten.

    © Birte Mirbach

    P.S.: Meine (Simones) Artikel im Rahmen der Blogwichtelaktion findet ihr bei meinen tollen Kolleginnen Susanne Ackstaller und Stefanie Möller. Bei Susanne habe ich darüber geschrieben, wie es ist, in den Sechziger Jahren geboren zu sein, bei Stefanie erfahrt ihr etwas über Floskeln. Viel Spaß!

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