• Misstrauisch? Wir doch nicht!

    Schrägstehende Bank vor Bundesstraße

    Für unsere Gäste scheuen wir weder Mühen noch Kosten!

    Uns Menschen vom Land wird oft nachgesagt, wir seien argwöhnisch. Manche behaupten sogar, wir begegneten Fremden so, als seien sie alle Strolche, Schufte, Schurken und Schlimmeres.

    Von uns Landbewohnern aus dem Großraum Hannover zeichnet der Rest Deutschlands ein noch dezidierteres Bild. Sagt jemand über uns, wir seien spröde, gilt das fast schon als Kompliment. Üblich ist eher die Ansicht, wir gingen zum Lachen in den Keller, verzögen selbst bei den komischsten Witzen keine Miene und tauten erst nach zehn Lüttjen Lagen ein bisschen an, doch nie völlig auf.

    Leute, das ist doch völliger Quatsch! Wir mögen vielleicht etwas strenger wirken, aber wirklich abweisend sind wir nicht. Naja, nicht ganz.

    Was können wir denn dazu, dass sich in unsere Dörfer kaum einer verirrt, sofern sie nicht an einer Hauptverkehrsstraße liegen? Da wird man wohl mal den Autos mit anderen als dem ortsüblichen Kennzeichen nachblicken dürfen, wenn sie unsere Dorfstraßen kaputtfahren. Wir mit unseren Treckern, Aufsitzmähern und Mähdreschern haben das schließlich wieder auszubaden. Denn wer ruiniert sich die Reifen in den Schlaglöchern, wenn die Stadtmenschen wieder weg sind? Hä? Hä?

    Und warum sollte man sich beim Nachblicken nicht auch die PKW-Kennzeichen notieren? Tut doch niemandem weh, hat der Verkehrsminister bislang noch nicht verboten. Könnte doch sein, dass man die Buchstaben-Ziffern-Kombination noch braucht. Wenn der nächste Einbruch begangen wird, zum Beispiel. Hat man wenigstens gleich ein paar Verdächtige an der Hand. Denn ohne Auto kommt bestimmt kein Strolch, Schuft oder Schurke zu uns. Der könnte nämlich nicht fliehen. Der Bus fährt nur einmal pro Stunde.

    Dass wir Dorfbewohner Fremden wohlgesinnt sind, erkennt man übrigens auch daran, dass wir nicht nur im, sondern auch rund um unseren Ort an sie gedacht haben. Gäste sollen bei uns Rast machen, sie sollen sich wohlfühlen und den wundervollen Ausblick auf den Fluss und die sanften Hügel genießen.

    Deshalb haben wir Bänke aufgestellt. Dort, wo es besonders schön ist. Hinter der Bundesstraße zum Beispiel. Wir haben die Bank extra dort platziert, damit Städter das melodiöse Wuschwusch vorbeifahrender Autos auch bei uns nicht missen müssen. Für unsere Gäste aus dem Ruhrgebiet und anderen durch U-Bahn- oder Bergbau oder durch Erdbeben geplagten Regionen haben wir die Bank extra ein wenig schief gestellt, damit sie sich wie zu Hause fühlen. Rollt dann mal einer von der Bank, lachen wir sogar. Sag also noch mal einer, wir seien misstrauisch und spröde!

2 Responsesso far.

  1. Katja sagt:

    Ihr habt die Bänke natürlich nicht nur deswegen außerorts aufgestellt, weil es dort so wunderschön ist, sondern auch, weil ihr die ganzen Besucher dann solange wenigstens nicht im Dorf habt, stimmt’s?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.