• Zum ersten Mal: Scharf, schärfer, am schärfsten

    Scharfe Sauce namens Sudden Death

    Geschmacksknospen duckt euch lieber …

    Ich habe ja neulich gute Vorsätze für 2014 gefasst. Unter anderem will ich jeden Monat etwas machen, was ich noch nie zuvor getan habe. Oder aber etwas, wofür ich mich überwinden muss. Die Auswahl ist groß: Ich war z. B. noch nie bergsteigen, habe noch an keinem Marathon teilgenommen, weder einen Tiger noch einen Löwen gestreichelt und bin noch nie nackt durchs Dorf gelaufen.

    Aber: Ich bin schon die Champs-Elysées mit dem Fahrrad hoch- und runtergefahren, mit zerrissenen Jeans zu Gehaltsverhandlungen erschienen (sorry, ich war jung und brauchte das Geld) und habe mit Walen in einer Bucht geplanscht – in angemessener Entfernung versteht sich. Die ein oder andere Bergwanderung habe ich ebenfalls bereits unternommen, und auch in New York war ich schon mal. Auf dem Weg dorthin saß anstelle von Udo Jürgens übrigens Tony Marshall mit im Flugzeug.

    Falls nach diesen Vorinformationen jemand jedoch begierig darauf warten sollte, dass ich nun von den Erlebnissen meiner ersten Nacktwanderung durch den Ort berichte, muss ich ihn leider enttäuschen. Denn diese Erfahrung erspare ich mir und den anderen Dorfbewohnern lieber. Eine solche Wanderung steht das ganze Jahr über nicht auf meiner Agenda.

    Und es werden auch nicht immer größere Aktionen sein, von denen ich hier erzähle. Ganz im Gegenteil. Es wird bestimmt einige Dinge geben, die andere lächerlich oder läppisch finden, für mich aber nichtsdestotrotz eine Premiere oder Hürde darstellen. Deshalb fangen wir heute mal ganz langsam an … Zunächst mit einer kleinen Vorgeschichte.

    Es war einmal (vor einigen Jahren oder so), da wollte ich ein schönes, scharfes Chili kochen. Ich ging einkaufen und erblickte zwischen all den Tomaten und Gurken ein Päckchen mit bunten Chilischoten. Darunter schokoladenbraune Chilis, die kleinen Paprikaschoten ähnelten und die ich einfach mitnehmen musste. Zu Hause holte ich eine dieser niedlichen Chilis aus der Packung, wusch und zerteilte sie fein säuberlich. Lecker sahen die Stückchen aus, zum Anbeißen. Und genau das tat ich.

    Der erste Spritzer Chilisaft berührte meine Zunge. Sofort stand mein Mund in Flammen. So schnell wie das Chilistück habe ich wahrscheinlich nie wieder etwas ausgespuckt. Obwohl es sich nur Bruchteile von Sekunden in meinem Mund aufhielt, tat der mir noch eine halbe Stunde später weh. Weder mit Milch noch mit Brot – sonst bewährte Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Schärfe – ließ sich das Feuer auf der Zunge löschen. Meine Lehre daraus: Ich bin vorsichtig geworden.

    Der Rest meiner Familie aber isst gern scharf. Vor allem meinem großen Sohn kann das Essen gar nicht scharf genug sein. Ihm zuliebe haben wir ein Bataillon Würzsaucen angeschafft, mit denen er den Geschmack seiner Speisen überdecken kann. Immer wieder hat er mich aufgefordert, endlich die 250.000-Scoville-Sauce zu probieren (Scoville ist eine Maßeinheit für Schärfe, und 250.000 Scoville sind schon gut scharf). Ich aber konnte mich bislang geschickt davor drücken, und das Wort „Memme“ habe ich einfach überhört.

    Doch heute habe ich die Sauce probiert. Ohne Netz und doppelten Boden. Einfach einen Tropfen auf einen Löffel gegeben und abgelutscht (ich wusste von meiner Chilischotenerfahrung, dass ich ihn besser nicht auf den Finger gebe, denn wenn man sich dann die Augen reibt …).

    Und das Ergebnis? Naja. Nicht schön. Ich sitze hier und heule die Tastatur voll. Falls ich gleich also nicht mehr zu lesen bin, ist sie davongeschwommen. Doch es ist schön, wenn der Schmerz nachlässt. Ein gutes Gefühl. Das ich allerdings nicht so häufig haben muss. Deshalb werde ich weiterhin auf die Verwendung solcher Saucen verzichten, ich Memme, ich. Und stattdessen in diesem Monat noch anfangen, mich mit CSS zu beschäftigen. Hab ich auch noch nicht getan und ist längst nicht so gefährlich. Hoffe ich. Es sei denn, es handelt sich dabei um eine Abkürzung für Chili-Schoten-Schärfe.

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